Munsterischer Anzeiger 20-10-2008
Neue Spiritualität
Nur auf den ersten Blick in das Programmheft erwartete den Zuhörer des Konzerts am Sonntag, 19. Oktober 2008, in der Hiltruper St.-Clemens-Kirche ein Kontrast zwischen dem Programm und dem Thema des Konzerts. Denn das Huygens Vocaal Ensemble, das Huygens Consort unter der Leitung von Hans Tijssen und Organist Henk Plas hatten zu einem Konzert unter dem Motto „Neue Spiritualität“ eingeladen und versprachen im Programmheft unter anderem Werke der zeitgenössischen Komponisten Trond Kverno, Hans Tijssen und Eric Whitacre, aber auch von Jan Pieterzoon Sweelinck und Dietrich Buxtehude.
Sozusagen „auf den zweiten Blick“, also beim Zuhören, stellte sich dann aber heraus, dass die neue Musik sehr wohl alte Klangstrukturen aufnahm und weiterentwickelte und dass die alte Musik unter dem Einfluss der neuen Musik eine ganz neue Farbe bekam. Obwohl also gut drei Jahrhunderte einige der Kompositionen trennten, fügten sie sich gut ineinander und bereicherten einander in ihren jeweils ganz eigenen Konsonanzen und Dissonanzen sowie in ihrer harmonischen und kompositorischen Struktur. „Neue Spiritualität“ wurde auch in der zurückhaltenden Be-setzung und die große Ruhe evoziert, die das Konzert prägte, und zwar sowohl die Vokalteile als auch die Orgelwerke.
Henk Plas zeigte wieder einmal, wie technisch und musikalisch sicher und dabei geschmackvoll (sowohl in der Registrierung als auch in der Interpretation) sein Orgelspiel ist, das dem je eigenen Charakter jeder Komposition den Vorrang lässt.
Die Sängerinnen und Sänger aus den Niederlanden glänzten durch eine lupenreine Intonation, ob im Piano oder Forte, und eine ganz offensichtlich außerordentliche musikalische Beherrschung der Werke. Die relative Kürze der einzelnen Kompositionen wurde aufgehoben durch eine bis ins kleinste Details gehende Gestaltung, die in sich schlüssig war. Der Chorklang, der sich, wie es schien, aus einem sehr schönen Piano her entwickelt, war sehr ausgewogen.
Man hätte sich nur ein etwas charakteristischeres Alt-Timbre gewünscht
- und die Verlängerung des Konzertprogramms durch die eine oder andere
Zugabe...
Claudia Maria Korsmeier